Geschichte von Les Baux-de-Provence

Geschichte von Les Baux-de-Provence

Die Lage von Les Baux-de-Provence auf einem Felsplateau, das die Umgebung überragt, bot den Bewohnern schon immer einen doppelten Vorteil. Sie konnten nicht nur die Gegend überblicken, sondern waren auch vor der Außenwelt geschützt, was sicher die Beliebtheit des Ortes von der Vorgeschichte bis in die Gegenwart erklärt.

 

Die ersten bekannten Texte des 10. Jahrhunderts erwähnen hier die Festung Balcium Castrum. Später nahmen die Nachfahren des Ortsherrn, Pons der Jüngere, in Anlehnung an die Festung den Namen Les Baux an. Die Festung wurde im 13. Jahrhundert während des großen Bauvorhabens der Herren Hugues und Barral des Baux vom Wohnturm ersetzt, der die natürliche Lage des Felsens nutzt und die anderen Teile der Burg stützt.

 

Les Baux-de-Provence im Mittelalter

Das Adelsgeschlecht Les Baux war im Mittelalter eine der großen provenzalischen Familien, deren Besitz sich ursprünglich besonders um Arles und Marignane befand und sich im Laufe der Generationen in der gesamten Provence, im Comtat Venaissin, im Dauphiné und auf italienischem Gebiet ausdehnte.
Das Adelsgeschlecht Les Baux herrschte somit über 79 Städte oder Festungen, die terres Baussenques genannt wurden. Diese Zahl, die aus zwei heilig geglaubten Ziffern bestand, symbolisierte das gesamte Land der Fürsten, dessen Einheit und Unantastbarkeit und stand gewissermaßen für ihre Macht. Die Dynastie zeichnete die Geschichte der Provence mit dem Einfluss und der Persönlichkeit ihrer rebellischen und kriegerischen Herren.
Ihre bewegte Geschichte zeugt davon, dass die Festung insbesondere während der Kriege der Les Baux und der Hugenottenkriege diente.
So ergriff Ludwig III. von Anjou, König von Sizilien und Graf von Provence, nach dem Tod von Alix, der letzten Prinzessin von Les Baux, die mittelalterliche Burg, die so oft gegen die Obrigkeit seiner Vorgänger eingesetzt wurde, und schloss sie der Grafschaft an. Die Stadt und das Land der Les Baux gingen später in das Eigentum des Königreichs über, als die Provence unter Ludwig XI. mit dem französischen Krongut vereint wurde. Der König misstraute einer derart mächtigen und vom Hofe weit entfernten Festung. Er fürchtete, dass sie in die Hände seiner Feinde fallen würde, und besonders in jene der Gegner, die sich gegen seine Obrigkeit in der Provence stellten. So ordnete er 1483 den Abriss der Festung an.

 

Aufgrund der Macht und der glorreichen Vergangenheit des Landes der Les Baux wurde es an das „angrenzende Land“ (Terres Adjacentes) der französischen Krone angeschlossen, das einzig dem König und keineswegs dem Grafen von Provence unterstand, allerdings seine Bräuche und Rechte behielt.

 

Les Baux-de-Provence in der Renaissance

In der Renaissance erlebte das Dorf eine Glanzzeit, in der die Wohngebäude der Burg teilweise wieder aufgebaut wurden. Doch im Jahre 1631 fiel die Festung erneut in die Hände der Aufständischen, da die königliche Entscheidung zur Entmachtung des provenzalischen Parlaments einen Aufstand in Aix-en-Provence hervorgerufen hatte. Als der Fürst von Condé dem schließlich Einhalt gebot, flüchteten einige der Aufrührer nach Les Baux.

 

Daraufhin wurde das Dorf von den Truppen Richelieus belagert. Nach den Kämpfen wurde die Festung erneut niedergerissen.
Das Lehen der Les Baux wurde 1642 von Ludwig XIII. an Hercule Grimaldi zum Dank für seine vorteilhafte Politik gegenüber der französischen Krone übertragen. Dieser vererbte den Titel Marquis des Baux an seine Nachfahren weiter. Heute schmückt sich Fürst Jacques von Monaco mit ihm.

 

Nach der Französischen Revolution wurde das Marquisat an Frankreich angeschlossen. Das Dorf Les Baux-de-Provence wurde nach und nach seiner Bevölkerung entledigt und zählte am Ende des 19. Jahrhunderts nur noch 400 Einwohner. Im 13. Jahrhundert waren es 3 000 gewesen. Aber Les Baux sollte erneut in die Geschichte eingehen. 1821 entdeckte ein Geologe ein rotes, aluminiumreiches Gestein, das er Bauxit nannte.

 

Neuer Glanz

Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich das Dorf ganz auf Tourismus und Kultur aus. Dazu trug vor allem Raymond Thuillier bei, der das international bekannte Hotel Oustau de Baumanière mit einem der edelsten Sternerestaurants Frankreichs eröffnete, in dem bald die Großen der Welt ein und aus gingen. 1966 unterstellte André Malraux die gesamte Gemeinde dem Schutz des Kultur- und Umweltministeriums. So erfuhr das Dorf erneut eine Glanzzeit, der es 1998 die Aufnahme im auserlesenen Kreis der schönsten Dörfer Frankreichs verdankte.